Bas tritt zurück, die CDU sortiert sich, Karlsruhe prüft die Erbschaftsteuer: Ein Montag mit Folgen für die Koalition

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Benjamin Lorenz AI-generated

Was gestern noch wie ein zäher Dauerstreit um Rente und Steuern aussah, hat sich heute zu einer handfesten Personalkrise der SPD ausgewachsen. Gleichzeitig beendet die CDU ihre Krisenberatungen, das Bundesverfassungsgericht nimmt sich die Erbschaftsteuer vor, und aus Wirtschaft und Justiz kommen Nachrichten, die den Reformdruck auf die schwarz-rote Koalition nicht kleiner machen.

Rücktritt im Arbeitsministerium

Die Nachricht des Tages kam aus dem Arbeitsministerium: Bärbel Bas hat am Montag, 12. Oktober 2026, ihren Rücktritt als Bundesministerin für Arbeit und Soziales sowie als SPD-Bundesvorsitzende bekannt gegeben. Zugleich kritisierte sie öffentliche Angriffe gegen ihre Person, auch aus den Reihen des Koalitionspartners. Damit verliert die SPD mitten im Ringen um das Rentenpaket die Frau, die den Gesetzentwurf vorbereiten sollte. Als Nachfolger ist der rheinland-pfälzische Sozialdemokrat Alexander Schweitzer vorgesehen, und das ist inhaltlich alles andere als ein neutraler Wechsel: Mit dem vorgesehenen neuen Arbeitsminister rückt eine Position in den Mittelpunkt, die innerhalb der Koalition seit Monaten umstritten ist. Schweitzer hatte Anfang August ausdrücklich erklärt, dass er den Wegfall der abschlagsfreien Altersrente nach 45 Versicherungsjahren ablehne. Unklar blieb zunächst, ob Schweitzer seine bisherige Forderung als Bundesminister unverändert vertreten oder einen neuen Kompromiss mit der Union anstreben wird. Eine entsprechende Entscheidung wurde am Montag nicht bekannt gegeben.

Die Union reagierte prompt mit Druck. CSU-Politiker Klaus Holetschek forderte am Montag, dass ein Gesetzentwurf noch im Oktober vorliegen müsse. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder von der CDU drängte auf schnelle Fortschritte. Beide machten deutlich, dass die anstehenden Sozialreformen trotz des Ministerwechsels vorangebracht werden müssten. Ungeklärt bleibt auch die Verfahrensfrage, die gestern schon für Ärger sorgte: SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hatte vorgeschlagen, Bundestagsfraktionen und möglicherweise auch Ministerpräsidenten vor einer Kabinettsentscheidung stärker einzubinden. Für die SPD stellt sich daneben die Frage, wie die Parteispitze künftig aussieht, nachdem die Doppelspitze mit Klingbeil nun nur noch zur Hälfte besetzt ist.

Die CDU beendet ihre Krisenklausur

Während die SPD ihre Führungsfrage klärt, zieht die CDU den Schlussstrich unter zwei Tage Selbstbefragung. Die Parteiführung schließt heute ihre zweitägigen Beratungen über die Konsequenzen aus der Serie krachender Niederlagen bei den Landtagswahlen im September ab. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz wird anschließend (13.30 Uhr) zusammen mit Generalsekretärin Franziska Hoppermann die Ergebnisse vorstellen. Bemerkenswert ist, dass die Parteispitze die Lage selbst als existenziell beschreibt und CSU-Chef Söder dem Kanzler öffentlich den Rücken stärkt. Die Generalsekretärin hatte den Anspruch der Klausur vorab so formuliert: Jetzt geht es darum, Vertrauen zurückzugewinnen, die Lebenswirklichkeit der Menschen stärker in den Blick zu nehmen und unser Land weiter zu modernisieren. Die Klausur ist der Beginn eines gemeinsamen Prozesses – in der Partei und in der Bundesregierung. Ob ein "Prozess" reicht, um die Reformversprechen vom Jahresanfang einzulösen, wird sich daran messen lassen, was die Koalition in den kommenden Wochen bei Rente und Steuern tatsächlich beschließt.

Karlsruhe verhandelt über die Erbschaftsteuer

Der zweite große Konfliktherd des Wochenendes wandert heute in den Gerichtssaal. Heute (14.00 Uhr) verhandelt das Gericht in Karlsruhe eine abstrakte Normenkontrolle aus Bayern. Ein Urteil wird erst einige Monate nach der mündlichen Verhandlung erwartet. Die bayerische Staatsregierung will unter anderem klären lassen, ob Vorschriften im Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz schon deshalb verfassungswidrig sind, weil der Bund sie gar nicht vorgeben darf. Bayerns Finanzminister Albert Füracker begründet den Gang nach Karlsruhe mit dem Schutz des Familienheims: "Bayern will erreichen, dass Kinder das Haus ihrer Eltern auch in Zukunft wieder erben können, ohne dass die Erbschaftsteuer sie zum Verkauf zwingt", erklärte der Minister. Dabei steht Söders Linie quer zur eigenen Bundespartei: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Söders Forderung nach einer Regionalisierung der Erbschaftsteuer im vergangenen Jahr eine Absage erteilt.

Klingbeil nutzt das Verfahren, um seine Reformagenda anzukündigen: "Sobald das Bundesverfassungsgericht den rechtlichen Rahmen geklärt hat, wollen wir das umsetzen." Interessant ist eine Fußnote aus der Nachrichtenagentur: Die dpa musste ihre Meldung korrigieren, weil sie Klingbeil zunächst auch ein Plädoyer für die Vermögensteuer zugeschrieben hatte – er hat sich nur zur Erbschaftsteuer geäußert. Die Zwischenüberschrift wurde entsprechend angepasst, der letzte Hintergrundabsatz zur Vermögensteuer gestrichen. Der Finanzminister hat am Nachmittag noch einen zweiten Auftritt: 15:00 DEU: Pk mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) im Anschluss an die Sitzung des Stabilitätsrates – dort geht es um die Haushaltsdisziplin von Bund und Ländern, ein Thema, das angesichts der Rentenkosten brisanter wird.

Wirtschaft, Klima und Gerichte

Der Wirtschaftskalender des Tages liefert wenig Erfreuliches. Volkswagen legt heute seine Absatzzahlen für das dritte Quartal vor, Nordex meldet den Auftragseingang, und 10:30 DEU: KfW stellt Studie vor zum Förderbedarf zur Erreichung der Klimaneutralität. Die Förderbank beziffert damit, welche Summen bis 2045 bewegt werden müssten – eine Zahl, die in der Debatte um Haushaltsspielräume und Sozialreformen kaum ohne Folgen bleiben dürfte. Verbraucher blicken nach Westfalen: 10:00 DEU: OLG Hamm verkündet Urteil zu Musterfeststellungsklage zu Preiserhöhungen bei Fernwärme durch Eon. In München wird ein Kapitel der Ära Scheuer weitergeschrieben: Der Prozess gegen den früheren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wird um 9.30 Uhr mit der Vernehmung der Hauptzeugen fortgesetzt.

Brüssel und Stockholm

Außenpolitisch setzt die EU heute ein Zeichen gegen Moskau: Die Außenminister der EU-Staaten wollen heute so viele neue Personen und Organisationen wegen ihrer Unterstützung für Russlands Kriegsmaschinerie sanktionieren wie noch nie zuvor. Und in Schweden endet die Nobelpreis-Woche: In Stockholm wird um 11.45 Uhr über den letzten Nobelpreis des Jahres entschieden.

Unter dem Strich bleibt ein Tag, an dem die Koalition ihre Baustellen nicht abgearbeitet, sondern eine weitere eröffnet hat. Mit Schweitzer kommt ein erklärter Verteidiger der Rente nach 45 Beitragsjahren ins Arbeitsministerium, während die Union einen Gesetzentwurf noch in diesem Monat verlangt. Wie Merz diesen Widerspruch nach seiner eigenen Krisenklausur auflösen will, ist die Frage, die bis zum Ende der Woche beantwortet werden muss.

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