Flammen am Obersalzberg, Funkstille bei der Stromsteuer: Der Sonntag, 25. Oktober 2026, zwischen Berchtesgaden und Berlin

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Benjamin Lorenz AI-generated

Der Sonntag, 25. Oktober 2026, beginnt mit einer Stunde mehr Schlaf und einem Bild, das sich einprägt: Das Kehlsteinhaus über Berchtesgaden, eines der meistbesuchten Relikte der NS-Zeit, steht nach einem Brand vom Vortag als Ruine im Herbstwind. In Berlin dagegen brennt nichts, es schwelt nur weiter. Der Kanzler hat auf dem CSU-Parteitag eine Stromsteuersenkung versprochen, die sein Finanzminister nicht bezahlen will, die Rentenreform hat einen neuen Zeitplan, aber noch keinen Gesetzentwurf, und die SPD wartet auf eine Frau aus Schwerin. Dazu kommen Nachrichten aus der Autoindustrie, von der Bundesanwaltschaft und vom Deutschen Wetterdienst, der für den Sonntag Sturm angekündigt hat.

Berchtesgaden: Ein Brand mit Geschichte

Das Kehlsteinhaus wurde 1938 auf 1834 Metern Höhe fertiggestellt, als Geschenk der NSDAP zum 50. Geburtstag Adolf Hitlers. Der Diktator selbst mied den Bau wegen seiner Höhenangst weitgehend, nach dem Krieg wurde das Haus zur Ausflugsgaststätte und zu einem der bekanntesten Touristenziele der bayerischen Alpen. Nun ist es schwer beschädigt. Euronews zeigt das durch einen Brand schwer beschädigte Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, Samstag, 24. Oktober 2026, und berichtet, dass das Feuer Hitlers früheren Rückzugsort erfasst habe. Von einem Unfall ist dabei nicht die Rede: Der Sender spricht von einem Tatverdächtigen, der wohl psychisch krank sei. Das Portal inFranken ergänzt, wie schwierig die Festnahme gewesen sei. Die Ermittler halten sich zum Motiv bislang zurück, und das ist bei einem Gebäude dieser symbolischen Aufladung bemerkenswert. Zu klären bleibt in den nächsten Tagen auch, wie es mit dem Haus weitergeht, das dem Freistaat gehört und für die Region ein wirtschaftlicher Faktor ist.

Stromsteuer: Der Kanzler verspricht, der Finanzminister rechnet

Der zweite große Schauplatz des Tages liegt in Berlin, obwohl dort an diesem Sonntag niemand tagt. Die Stuttgarter Zeitung bringt die Lage auf den Punkt: Die Steuer auf den Stromverbrauch entzweit Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil. Aber auch den Bund und die Länder. Auslöser war der Auftritt des Kanzlers in München. "Wenn es irgendwie geht, und ich denke, es geht, muss die Stromsteuer runter, damit die Leute wieder mehr Geld in der Tasche haben", sagte Merz in seiner Grundsatzrede auf dem CSU-Parteitag. Damit erhöht der Kanzler den Druck, eine bislang nur teilweise umgesetzte Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD nachzuholen. Die Vorgeschichte reicht bis zur Regierungsbildung 2025 zurück: Darin hatten sich die Regierungsparteien darauf verständigt, die Stromsteuer für alle schnellstmöglich auf das europäische Mindestmaß zu reduzieren. Bislang gilt die niedrigere Steuer allerdings nicht flächendeckend. Bislang profitieren vor allem mehr als 600.000 Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie die Land- und Forstwirtschaft von der niedrigeren Stromsteuer.

Die Zahlen, um die es geht, sind überschaubar und doch unerreichbar. Eine Absenkung auf das europäische Mindestniveau könnte den Staat rund fünf Milliarden Euro jährlich kosten. Die Steuerschätzung vom 22. Oktober liefert dafür keine Deckung: Die aktuelle Steuerschätzung ergibt für das kommende Jahr allein für den Bund 4,1 Milliarden Euro mehr als erwartet. Wegen der besseren Wirtschaftslage darf die Regierung aber rund 2,5 Milliarden Euro weniger Schulden machen als geplant. Hinzu kommen Kosten von rund 1,7 Milliarden Euro für die geplante Reform der Einkommensteuer. Klingbeil hatte am 22. Oktober in Berlin entsprechend gekontert: „Wer jetzt Vorschläge macht wie etwa die Senkung der Stromsteuer, sollte gleichzeitig auch Vorschläge mitbringen, wie man das Ganze finanziert“. Aus der Wirtschaft kommt dafür Kritik: Obwohl die Steuereinnahmen steigen, sieht Finanzminister Lars Klingbeil keinen Spielraum, die Senkung der Stromsteuer für private Haushalte zu forcieren. Günter Althaus, Präsident des Bundesverbands Kooperierender Mittelstand (BKM), kritisiert dies und spricht von einem „fatalen Signal“.

Die Wirtschaftswoche ordnet den Konflikt grundsätzlicher ein. Auf die Jahre 2026 bis 2030 gerechnet dürfte der Bund allein lediglich 3,3 Milliarden Euro mehr kassieren, und der Kommentator urteilt hart: Diese Koalitionsregierung ist haushalterisch damit schneller am Ende als die vorherige Ampelregierung von SPD, Grünen und FDP. Dass die Stromsteuer 1999 ausgerechnet von einer rot-grünen Regierung als Teil der ökologischen Steuerreform eingeführt wurde und heute ein SPD-Finanzminister sie gegen einen CDU-Kanzler verteidigt, gehört zu den Ironien dieser Debatte.

Rente: Ein neuer Kalender, aber kein Text

Beim größten Reformprojekt der Koalition hat sich der Zeitplan verschoben, ohne dass es jemand offiziell verkündet hätte. Die politische Zielmarke lautet: Kabinettsbeschluss bis Ende 2026, Bundestagsbeschluss im ersten Quartal 2027. Ein fest zugesagter Veröffentlichungstermin für einen innerhalb der Regierung abgestimmten Entwurf ist damit nicht verbunden. Der ursprünglich angestrebte Bundestagsbeschluss bis Ende 2026 ist damit nicht mehr die maßgebliche Planung. Zur Erinnerung: Die Kommission übergab am 23. Juni 2026 insgesamt 33 Empfehlungen. Dazu gehören eine zusätzliche Kapitalrente, ein größerer Versichertenkreis und eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung nach 2031. Der Streitpunkt bleibt derselbe wie seit Wochen: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren bleibt zwischen Union und SPD umstritten. Während Frei auf ein Gesamtpaket pocht, warnt Miersch vor einer Umsetzung nach dem Motto „Augen zu und durch“. Der neue Arbeitsminister hat sich inzwischen positioniert: Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer will die Empfehlungen der Rentenkommission nicht eins zu eins übernehmen. Für die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren strebt er ausdrücklich einen „guten Kompromiss“ an. Wer die Rentendebatten der vergangenen zwölf Jahre verfolgt hat, erkennt das Muster: Die Rente mit 63 war schon 2014 ein Koalitionsstreit zwischen Union und SPD, damals mit umgekehrten Vorzeichen, als die SPD sie einführte und die Union vor den Kosten warnte.

SPD: Warten auf Schwerin

Dass die Sozialdemokraten bei der Rente so vorsichtig auftreten, hat auch mit ihrer Führungsfrage zu tun. Die taz beschreibt die Stimmung in der Partei mit einem knappen Satz: Hört man sich in der Partei um, wer als Nachfolgerin von Bärbel Bas infrage käme, heißt es: Wir warten auf Manu. Bisher hat sie eine Kandidatur nicht ausgeschlossen. Erst muss die Koalition in Schwerin stehen, dann wird sie eine Entscheidung treffen. Anfang November dürfte es so weit sein. Die Alternativen werden knapp: Anke Rehlinger hat einen Wechsel nach Berlin ausgeschlossen, und Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Kandidatur als SPD-Chef beim anstehenden Parteitag ausgeschlossen und sich stattdessen für eine erneute Bewerbung von Lars Klingbeil ausgesprochen. Die SPD-Frauen gehen derweil in die Offensive. Maria Noichl-Nachfolgerin Carmen Wegge ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Frauen in der SPD und vertritt damit 150.000 Sozialdemokratinnen. In einem Interview warf sie der Union im Umgang mit Schwesig „Sexismus mit System“ vor. Die Kritik richtet sich aber auch nach innen: Am selben Tag, an dem Bärbel Bas als Ministerin zurücktrat, stellte Lars Klingbeil Alexander Schweitzer als ihren Nachfolger vor. Die Entscheidung traf er weitgehend allein, die Parteiströmungen waren nicht eingeweiht. Nach Bas’ Rücktritt hat die SPD keine Frau mehr in der ersten Reihe der Berliner Politik.

Autoindustrie: Ein Werk für Trump, höhere Preise für Deutschland

Aus der Wirtschaft kommen an diesem Sonntag zwei Meldungen, die zusammengehören. Das ZDF meldet am Morgen: Auf Trump-Wahlkampftour: Audi kündigt SUV-Werk in USA an. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 3. November 2026 wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus, und der Präsident sammelt auf seiner Tour Investitionszusagen wie Trophäen. Audi hatte bislang keine eigene Fertigung in den Vereinigten Staaten und lieferte den US-Markt aus Mexiko und Europa, was das Unternehmen bei den Zöllen besonders verwundbar machte. Zur selben Stunde meldet das ZDF unter der Überschrift Steigende Nachfrage: Elektroautos werden teurer eine Entwicklung, die den Hoffnungen der Bundesregierung auf eine schnellere Verkehrswende zuwiderläuft: Wenn das Angebot knapp wird, zahlen die Käufer, nicht die Hersteller.

Bundesanwaltschaft: Ein 21-Jähriger und der IS

Zwei Tage nach der Vorführung eines mutmaßlichen russischen Agenten in Karlsruhe hat die Bundesanwaltschaft erneut zugegriffen. Die Rhein-Zeitung meldet unter Berufung auf die Behörde: Kampfausbildung beim IS geplant? 21-Jähriger in U-Haft. Details zu Herkunft und Reiseplänen des Beschuldigten liegen noch nicht vor. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Verfahren gegen junge Männer, die sich über soziale Netzwerke radikalisiert haben sollen, ein Muster, das die Sicherheitsbehörden seit dem Anschlag von Solingen 2024 verstärkt beschäftigt.

Sturm, Winterzeit und ein Blick über die Grenzen

Der Deutsche Wetterdienst hat für den Sonntag eine amtliche Warnung vor Sturm ausgegeben. Laut Vorhersage kann der Wind in Höhen oberhalb von 600 Metern Geschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde erreichen. In nicht so hoch gelegenen Gebieten seien bis zu 70 Stundenkilometer möglich. Es ist der Ausläufer eines Systems, das im Westen Europas bereits gewütet hat: Sturm Austen fegt über Frankreich und Großbritannien mit Böen bis 160 km/h. In der Nacht zuvor hatte Deutschland zudem die Uhren umgestellt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 25. Oktober 2026, endet in Deutschland die Sommerzeit. Um 3 Uhr morgens werden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt. Der Wechsel folgt den bestehenden europäischen Regelungen; er ist keine neu beschlossene Änderung des Systems. Das Europäische Parlament hatte die Abschaffung der Zeitumstellung bereits 2019 beschlossen, im Rat der Mitgliedstaaten liegt das Vorhaben seither auf Eis. Die nächste Umstellung auf Sommerzeit ist für den 28. März 2027 vorgesehen.

Jenseits der Grenzen ist der 25. Oktober ein Wahlsonntag. Serbien wählt ein neues Parlament. Die Wahlen finden in einer angespannten Atmosphäre statt, begleitet von Vorwürfen der Wählereinschüchterung und des Drucks auf Regierungsgegner. In Bulgarien sehen Umfragen Präsidentin Ilijana Jotowa mit mehr als 40 Prozent der Stimmen klar vorn. Jotowa wird von Andrej Gjurow, dem Kandidaten von konsequent prowestlichen Oppositionsparteien, herausgefordert. Und in Israel fällt der Wahltag mit einem Lockdown im Westjordanland zusammen; Hintergrund ist Israels Militäreinsatz im Westjordanland, nachdem es am Freitag einen tödlichen Angriff bewaffneter Palästinenser gegeben hatte. Drei Wahlen, drei Länder, die für die deutsche Außenpolitik von Belang sind: der EU-Beitrittskandidat Serbien, dessen Regierung der Kanzler erst am 22. Oktober auf dem Westbalkan besucht hat, das EU-Mitglied Bulgarien mit seiner russlandfreundlichen Präsidentin und ein Israel, dessen Regierung über das Verhältnis zu Berlin mitentscheidet.


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