Ein Verdächtiger aus Berlin, ein Blechdach in Freiburg, fünf Milliarden für die Stromsteuer: Der Sonntag, 25. Oktober 2026, am Abend

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Benjamin Lorenz AI-generated

Was am Morgen des 25. Oktober 2026 noch eine Ruine im Herbstwind war, ist am Abend ein Kriminalfall mit Aktenzeichen, einem Gutachten und einer Wiederaufbauzusage. Der Sturm, den der Deutsche Wetterdienst angekündigt hatte, ist tatsächlich gekommen und hat im Breisgau eine Universitätsklinik vom Netz genommen. In Berlin bleibt der Streit um die Stromsteuer das, was er seit dem CSU-Parteitag ist: ein Wettlauf zwischen einem Kanzler, der verspricht, und einem Finanzminister, der nachrechnet. Dazu kommen eine erste Bilanz des Alkoholverbots an Bahnhöfen, eine Stichwahl in Brasilien, deren Ergebnis in der Nacht erwartet wird, und ein Wochenende, an dem halb Europa auf der Straße war.

Obersalzberg: Der Verdächtige, das Gutachten und ein Haus, das es nicht mehr geben sollte

Die Ermittler haben den Tag genutzt, um das Bild des mutmaßlichen Brandstifters zu schärfen. Der 33-jährige Deutsche wohnt laut Polizei in Berlin, stammt aber gebürtig aus dem Berchtesgadener Land. Er war den Einsatzkräften auf der steilen Kehlsteinstraße entgegengekommen. Laut Polizei roch er nach Brand und wollte auf dem Motorrad fliehen. Gegen ihn besteht dringender Tatverdacht wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat inzwischen einen Weg eingeschlagen, der eher in die Psychiatrie als ins Gefängnis führt: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein soll der Mann psychisch krank sein. Das habe ein von einem Sachverständigen erstelltes Kurzgutachten ergeben. Der 33-jährige Deutsche sei am Samstag einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt worden. Ziel sei, eine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter zu erwirken. Ganz vom Tisch ist die Frage nach einem Beweggrund damit aber nicht: Auch ein mögliches politisches Motiv werde geprüft – da seien die Ermittler aber erst ganz am Anfang. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft warnte ausdrücklich davor, die Aussagen des Mannes für bare Münze zu nehmen, da sie angesichts einer möglichen psychischen Erkrankung mit Vorsicht zu genießen seien.

Der Schaden ist beträchtlich. Ein Feuer hat das historische Kehlsteinhaus am Obersalzberg in der Nacht auf Samstag (24.10.2026) weitgehend zerstört. Rund 200 Einsatzkräfte kämpften unter schwierigen Bedingungen gegen die Flammen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen schwerer Brandstiftung. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Sachschaden auf mehrere Millionen Euro. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat bereits angekündigt, dass das Gebäude wieder aufgebaut werden soll.

Dass ein Freistaat ein Gebäude wiederaufbauen will, das die NSDAP errichten ließ, klingt nur auf den ersten Blick paradox. Das Kehlsteinhaus ist seit Jahrzehnten weniger Kultstätte als Aussichtsgaststätte mit Geschichtsunterricht. Es wurde im Sommer 1937 von Martin Bormann in Auftrag gegeben. Bezahlt von der NSDAP, wurde es in 13 Monaten fertiggestellt. Zwölf Arbeiter starben beim Bau. Der Mann, dem es zugedacht war, hatte wenig Freude daran: Es wurde Adolf Hitler 1939 zu seinem 50. Geburtstag überreicht, doch er besuchte den Ort nur bei 14 Gelegenheiten, unter anderem wegen Höhenangst; Eva Braun nutzte es häufiger. Heute wird das Kehlsteinhaus saisonal als Restaurant, Biergarten und Touristenziel betrieben. Wer den Wiederaufbau kritisiert, muss sich also mit der Frage auseinandersetzen, ob eine Ruine am Berg die bessere Form der Erinnerung wäre als ein Haus, in dem die Dokumentation Obersalzberg weiter Besucher über die Geschichte des Ortes aufklärt.

Stromsteuer: Der Kanzler hat gesprochen, der Finanzminister rechnet

Die Nachwirkungen des CSU-Parteitags reichen bis in diesen Sonntag. Die oberfränkische Frankenpost fasst den Konflikt am 25. Oktober so zusammen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich auf dem CSU-Parteitag in München für eine Absenkung der Stromsteuer für alle Bürger und Unternehmen bereits im kommenden Jahr ausgesprochen. Er stellte sich damit gegen die Aussage von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), wonach der Steuerrabatt aktuell nicht finanzierbar sei. Merz verknüpfte die Forderung mit einem größeren Versprechen: Der Kanzler sah die Steuersenkung als Teil eines Entlastungspakets. Deutschland müsse bezahlbar bleiben. „Wer arbeitet, muss sich in Deutschland nicht irgendein Leben leisten können, sondern ein gutes“, betonte Merz.

Der Haken liegt im Kleingedruckten des Koalitionsvertrags. Darin hatten sich die Regierungsparteien darauf verständigt, die Stromsteuer für alle schnellstmöglich auf das europäische Mindestmaß zu reduzieren. Bislang gilt die niedrigere Steuer allerdings nicht flächendeckend. Eine Absenkung auf das europäische Mindestniveau könnte den Staat rund fünf Milliarden Euro jährlich kosten. Bislang profitieren vor allem mehr als 600.000 Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie die Land- und Forstwirtschaft von der niedrigeren Stromsteuer. Klingbeil hat seine Bedingung klar formuliert: Er hatte zuvor erklärt, die erwarteten höheren Steuereinnahmen reichten nicht aus, um eine Senkung der Stromsteuer zu finanzieren. Wer eine solche Maßnahme vorschlage, müsse zugleich darlegen, wie sie finanziert werden solle. Damit ist die Frage nicht, ob die Koalition die Stromsteuer senken will, sondern wer die fünf Milliarden Euro an anderer Stelle einspart. Regierung und Koalitionsfraktionen müssen nun klären, ob die Entlastung vollständig, schrittweise oder über eine andere Prioritätensetzung im Haushalt finanziert werden soll. Die Steuerschätzung vom 22. Oktober hat den Spielraum dafür nicht vergrößert.

Rente: Ein Zeitplan, der sich nach hinten schiebt

Beim zweiten großen Reformprojekt hat sich der Kalender inzwischen offiziell verschoben. Bundeskanzler Friedrich Merz will den Entwurf bis Ende 2026 im Kabinett beschließen lassen; der Bundestag soll im ersten Quartal 2027 entscheiden. Besonders umkämpft bleibt die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren. Der ursprünglich angestrebte Bundestagsbeschluss bis Ende 2026 ist damit nicht mehr die maßgebliche Planung. Der Dissens ist seit der ARD-Sendung vom 18. Oktober öffentlich: Frei forderte in der ARD am Sonntag einen Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums, damit man über Details reden könne. Das gelte etwa für die umstrittene beitragsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, sagte der CDU-Politiker. SPD-Fraktionschef Miersch wollte sich dagegen nicht auf einen Zeitpunkt festlegen lassen und forderte Einarbeitungszeit für den neuen Arbeitsminister, der den Gesetzentwurf vorlegen muss.

Der neue Arbeitsminister selbst hat seine Linie seither konkretisiert. Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer will die Empfehlungen der Rentenkommission nicht eins zu eins übernehmen. Für die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren strebt er ausdrücklich einen „guten Kompromiss“ an. Damit beginnt eine neue Verhandlungsphase innerhalb der schwarz-roten Koalition. Die Union beharrt auf einer Behandlung der Empfehlungen als Gesamtpaket; die SPD verlangt Nachbesserungen. Wer wissen will, wie zäh das wird, muss nur auf die Lage der SPD-Spitze schauen: Miersch verwies in der ARD auf eine Abstimmung mit Schweitzer und den SPD-Ministerpräsidentinnen Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Anke Rehlinger (Saarland), also auf genau den Personenkreis, aus dem die Partei ihre künftige Vorsitzende rekrutieren könnte. Solange diese Personalie offen ist, verhandelt die Union bei der Rente mit einem Partner, der seine eigene Führungsfrage noch nicht beantwortet hat.

Sturm über dem Südwesten: Ein Blechdach legt Freiburg lahm

Der angekündigte Sturm hat am Sonntag im Breisgau zugeschlagen. Das ZDF meldete am Nachmittag einen großen Stromausfall, von dem auch die Uniklinik Freiburg betroffen war: Durch die starken Winde sei ein Blechdach in ein Umspannwerk im Freiburger Stadtteil Littenweiler geflogen und habe einen Kurzschluss verursacht. Inzwischen ist es behoben. Die Episode ist ein Lehrstück über die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur: Es brauchte keinen Cyberangriff und keine Sabotage, sondern ein loses Dach und einen Windstoß, um ein Universitätsklinikum vorübergehend auf Notstrom zu schicken. Europaweit war der Sonntag ohnehin ein Tag der Unwetter: Sturm Austen fegt über Frankreich und Großbritannien mit Böen bis 160 km/h, und in Asien forderte ein Supertaifun in Taiwan Todesopfer.

Bahnhöfe ohne Bier: Die erste Bilanz

Zehn Tage nach Inkrafttreten zieht die Deutsche Bahn eine erste Bilanz ihres Alkoholverbots. Seit dem 15. Oktober darf bundesweit an allen Bahnhöfen der Deutschen Bahn kein Alkohol mehr getrunken werden. Das gilt auch für die Bahnsteige. Nach ZDF-Angaben wurden seither rund 5.000 Menschen beim Verstoß erwischt, und die Bahn verweist auf Zustimmung von Reisenden, von denen viele sagen: Genau das war längst überfällig. Die Zahl lässt sich auf zwei Arten lesen: als Beleg, dass das Verbot durchgesetzt wird, oder als Hinweis darauf, wie verbreitet das Trinken auf Bahnsteigen bislang war. Beides dürfte in der Debatte um Sicherheit an Bahnhöfen, die die Bahn seit Monaten führt, noch eine Rolle spielen.

Blick über die Grenzen: Brasilien, London, Paris

In Brasilien wird in der Nacht zum 26. Oktober gewählt, was in der deutschen Außenwirtschaftspolitik Gewicht hat. Das ZDF meldet die Stichwahl zwischen Bolsonaro und Lula da Silva: Bis 17 Uhr werden die Wahllokale geöffnet, erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet. Das Rennen zwischen den Politikern gilt bisher als knapp. Für Berlin ist die Abstimmung mehr als eine Randnotiz: Das Mercosur-Abkommen, die Regenwaldpolitik und die Rohstoffpartnerschaften der EU hängen daran, wer in Brasília regiert.

Aus Großbritannien kommt ein Signal, das in Brüssel aufmerksam registriert wird. Das ZDF berichtet, dass sich Andy Burnham offen für EU-Freizügigkeit zeigt, und verweist darauf, dass im November ein Gipfeltreffen der britischen Regierung mit der EU geplant ist, bei dem eine Reihe von geplanten Abkommen vorangebracht werden sollen. Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum ist damit ein Begriff zurück in der britischen Debatte, der lange als politisch tot galt.

In Frankreich schließlich steht das Wochenende im Zeichen von Protesten und Gewalt. Euronews zählt 410.000 bei Protest-Samstag in Frankreich: "500 Randalierer" in Paris und fasst die Lage auf dem Kontinent unter der Überschrift Proteste in Europa: Frankreich, Albanien, Italien, Spanien, Portugal zusammen. Parallel beschäftigt die Ermittler ein Angriff in Trappes, wo der Täter laut Euronews sein Haus mit Sprengfallen präpariert hatte. Für die deutsche Debatte über innere Sicherheit, die Innenminister Dobrindt zuletzt mit Blick auf die Berliner Regierungsbildung geführt hat, liefert das westliche Nachbarland damit ungewollt Anschauungsmaterial.


Der Sonntag endet so, wie die Woche begonnen hat: mit einer Koalition, die zwei Reformversprechen vor sich herschiebt, und mit einem Land, das seine Nachrichten eher aus Berchtesgaden, Freiburg und den Bahnhöfen bezieht als aus dem Kanzleramt. Die Entscheidung in Brasilien und der Beginn der neuen Sitzungswoche werden zeigen, ob sich das am Montag, 26. Oktober 2026, ändert.

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