Der Samstag, 31. Oktober 2026, war in Deutschland ein Tag mit drei Gesichtern. Während Millionen Menschen den Reformationstag begingen, verwandelten sich vielerorts Straßen, Geschäfte und Veranstaltungsorte in Halloween-Kulissen, und in Dutzenden Städten versuchte eine Jugendbewegung, den Funken der französischen Proteste nach Deutschland zu tragen. Der Reformationstag ist 2026 in neun Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, was dem Protesttag in Ostdeutschland und im Norden eine andere Kulisse gab als im Rheinland, wo die Innenstädte geöffnet waren und mancher Händler die Schaufenster verbarrikadiert hatte. Der Kanzler war aus Asien zurück, die Rentenreform wartete weiter, und am Abend stand fest: Die befürchteten Bilder aus Paris blieben aus, die erhofften Massen der Organisatoren allerdings auch.
Gen Z regelt: Ein Protesttag, der kleiner wurde, als die Zahlen versprachen
Die Erwartung war gewaltig, die Realität überschaubar. Nach Angaben von „Gen Z regelt“ hatten über 160.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt; zentral von der Gruppierung organisiert wurden die Demonstrationen in Berlin, Köln, Frankfurt und München. Die bundesweiten Jugendproteste starteten am Samstagnachmittag mit deutlich weniger Teilnehmern als von den Organisatoren erwartet. Die Polizei in Berlin meldete zunächst 2700 Teilnehmer, in München 1800 und in Frankfurt am Main rund 1000. Im Lauf des Nachmittags wuchs die Berliner Kundgebung: Die Polizei sprach um 16.06 Uhr von rund 5000 Teilnehmern vor dem Brandenburger Tor, die Initiative selbst von 10.000. Ein Transparent, das der ZDF-Ticker festhielt, fasste die Stimmung mancher Eltern ironisch zusammen: Eine Demonstrantin hielt ein Schild mit der Aufschrift „Die Kämpfe in Fortnite reichen meinem Sohn schon“ hoch.
Die Vorgeschichte erklärt, warum die Sicherheitsbehörden mit so viel Personal antraten. Seit Wochen wird in Frankreich protestiert, es kam wiederholt zu Gewaltexzessen. Ausschreitungen gab es dann auch bei Demonstrationen in anderen Ländern wie Spanien und Italien. Dabei wurden die Aktionen oft von unterschiedlichen politischen Gruppen ausgenutzt. Die Berliner Polizei hatte das Mobilisierungsmuster vorab beschrieben: Polizeisprecherin Anika Keller sagte, einzelne Gruppierungen aus dem linken politischen Spektrum griffen die Proteste in Frankreich auf und verbreiteten entsprechende Mobilisierungsaufrufe. In den sozialen Medien und in Chats beobachteten die Sicherheitsbehörden, dass die Schülerproteste in vielen Bereichen thematisiert wurden – insbesondere im linksextremistischen Spektrum werde für Samstag mobilisiert. Allein in Berlin waren 13 Demonstrations-Veranstaltungen, davon vier ausdrücklich zum Thema Halloween, angezeigt. In der Hauptstadt stellte sich die Polizei auf einen Großeinsatz mit rund 1500 Polizisten ein.
Bemerkenswert ist, wie die Bewegung schon vor dem Protesttag ihre institutionelle Rückendeckung verlor. Die Bundesschülerkonferenz, eine bundesweite Interessenvertretung der Landesschülervertretungen, hatte ihre anfängliche Unterstützung für die Proteste ausdrücklich zurückgezogen und als Gründe undurchsichtige Organisationsstrukturen und die Gefahr politischer Instrumentalisierung genannt. Aus der Schweiz kam der Hinweis, dass ein Ex-Organisator aus Sorge vor Gewalt ausstieg, weil die Gruppen unterschiedliche Ziele hätten. Das Bundesinnenministerium hatte derweil eine klare Linie für Anreisende gezogen: „Personen, die zur gewaltsamen Teilnahme an den Demonstrationen einreisen wollen, werden bereits an der Grenze von der Bundespolizei zurückgewiesen“, sagte der Ministeriumssprecher.
Der härteste Einschnitt des Tages ereignete sich im Rheinland. In Köln sagte die Polizei den Demonstrationszug kurzfristig ab, nachdem sich Teilnehmer vermummt hatten und Pyrotechnik gezündet worden war. Damit traf genau das ein, was die Händler zwischen Rhein und Ruhr seit Tagen befürchtet hatten: Teilweise wurden Fenster mit Holzplatten gesichert, andere Geschäfte wollten am Samstag geschlossen bleiben. Bereits am Freitag, 30. Oktober, hatte es im Nachbarbezirk Festnahmen gegeben: Vier Männer wurden in Nordrhein-Westfalen vorläufig festgenommen. Sie sollen sich zu gewalttätigen Aktionen am Samstag in Düsseldorf verabredet haben. Der Staatsschutz ermittelt gegen Personen, die sich für Samstag zu gewalttätigen Aktionen gegen Menschen und Sachen in Düsseldorf verabredet haben sollen.
In Frankfurt verlief es ruhiger, aber nicht ohne Spannung. Die Polizei sammelte sich am Mittag mit einem größeren Aufgebot an der Weseler Werft im Frankfurter Ostend, wo ursprünglich zwei Demonstrationen starten wollten. Die Organisatoren von „Generation Aufbruch“ und „Gen Z regelt“ beschlossen jedoch spontan, in einem gemeinsamen Zug durch die Innenstadt zu laufen. Als Auflagen wurden unter anderem Verbote von Pyrotechnik sowie des Mitführens von Glasflaschen und Alkohol erlassen. Der Zug wuchs im Lauf des Nachmittags auf 2500 Menschen, wie die hessenschau unter Berufung auf die Polizei meldete.
Die eigentliche Überraschung des Tages lieferte Bremen, keine der vier zentral organisierten Städte. Um kurz nach 14 Uhr schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf rund 700 Menschen; die spätere Schätzung lag bei 2.800 Teilnehmern. Dort zeigte sich aber auch, wie dünn die Linie zwischen friedlichem Protest und Konfrontation ist: Auf dem Domshof wurde eine Person von der Polizei festgesetzt. Im Anschluss wurden die Polizisten von Demonstranten umringt. Ein Polizeisprecher gab an, dass auf der Demo auch polizeifeindliche Parolen gerufen wurden. Die Polizei kündigte in der Neustadt per Durchsage an, die Demonstranten zu filmen, weil die Teilnehmer aus ihrer Sicht gegen Auflagen verstießen. In Hamburg lief parallel ein Protest ganz anderer Prägung: Dort versammelten sich Demonstranten zur „Feministischen Halloween-Demo“, zu der das „Feministische Gruselkabinett“ aufrief; der private Anmelder erwartete 1.000 bis 2.000 Personen, wie der Sprecher der Polizei Hamburg auf Anfrage von Tichys Einblick mitteilte.
Unterm Strich bleibt ein Befund, der die Erwartungen beider Seiten korrigiert. Ein einheitlicher bundesweiter Krawallplan ist durch die ausgewerteten öffentlichen Quellen nicht belegt. Zugleich blieben die Teilnehmerzahlen in jeder Stadt weit unter den Online-Zusagen, was für eine Bewegung, die sich vor allem über Plattformen organisiert, die zentrale Lehre dieses Samstags sein dürfte: Ein Klick ist noch kein Demonstrant.
Linker Protest gegen linke Führung
Am Rand der Jugendproteste lief in Berlin eine Kundgebung, die ein innerparteiliches Problem auf die Straße trug. Der ZDF-Ticker meldete am Nachmittag linken Protest gegen die Linke-Führung. Den meisten Demonstranten ging es um Palästina-Solidarität. Mehrfach wurde „Free Palestine“ gerufen. Für eine Partei, die in der Hauptstadt gerade mit SPD und Grünen über eine Koalition verhandelt und deren Berliner Fraktion sich bereits vor zwei Wochen über den Nahostkurs zerstritten hatte, ist das mehr als eine Randnotiz: Die Bruchlinie verläuft nicht zwischen Linken und Bürgerlichen, sondern mitten durch das eigene Lager.
Der Kanzler ist zurück: Dreißig Vereinbarungen und eine offene Frage
Friedrich Merz landete nach fünf Tagen Singapur, Tokio und Seoul wieder in Deutschland, und die Bilanz seiner Reise wurde am 31. Oktober zum Gegenstand der ersten Auswertungen. Merz will Deutschland unabhängiger von China machen und hat aus Singapur, Japan und Südkorea rund dreißig Vereinbarungen mitgebracht. In Tokio haben Deutschland und Japan Erklärungen zur Wirtschaftssicherheit und zu kritischen Rohstoffen unterzeichnet. In Seoul vereinbarten Merz und Präsident Lee dann eine vertiefte strategische Partnerschaft. Die mitgereiste Wirtschaft zeigte sich laut Table.Briefings alles in allem sehr zufrieden und geradezu begeistert.
Das Regierungsfazit fiel erwartungsgemäß positiv aus: „Diese Region ist für uns von größter strategischer Bedeutung“, sagte Merz in Seoul. Mit Japan soll zum Beispiel die Rüstungskooperation ausgebaut werden. Außerdem haben beide Länder eine Erklärung zur Wirtschaftssicherheit unterzeichnet und wollen „kritische Abhängigkeiten“ reduzieren. Das Handelsblatt ordnete das Leitmotiv der Reise ein: Zum Abschluss hat Merz erneut für ein globales Netzwerk für einen auf internationalen Regeln basierenden freien Handel geworben. Bei der Eröffnung der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul sagte der CDU-Chef, dass die sich wandelnde geopolitische Lage gleichgesinnte Partner näher zusammenbringe. Das ZDF setzte den Ton der Konferenz in ein Bild: Siemens-Chef Roland Busch eröffnete sie mit den Worten, die alte Ordnung sei „zerbrochen, es müssten neue, auf Vertrauen basierende Verbindungen“ geknüpft werden. Das sei Merz nach vier Tagen Asien gelungen. Perspektivisch will er sich für ein Abkommen zwischen den Asean-Staaten und der EU einsetzen. Die offene Frage bleibt dieselbe wie bei jeder Handelsallianz, die ihre Adressaten nicht beim Namen nennt: Was passiert, wenn Washington und Peking das Netzwerk als gegen sich gerichtet lesen?
Rente: Die Baustelle, die der Kanzler zu Hause vorfindet
Zurück in Berlin erwartet Merz das Dossier, das die Koalition seit Wochen nicht schließt. Einen Gesetzentwurf aus dem Arbeitsministerium gibt es bislang nicht. Die Gewerkschaften haben ihre Position in der Zwischenzeit verschärft: Verdi-Chef Frank Werneke forderte am 26. Oktober von Arbeitsminister Alexander Schweitzer einen Gesetzentwurf zum Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Zudem verlangt er eine Stabilisierung des Rentenniveaus von 48 Prozent über 2031 hinaus. Schweitzer selbst hat Spielräume angedeutet: Er will die Empfehlungen der Rentenkommission nicht eins zu eins übernehmen, hat aber kein fertiges Modell vorgelegt. Aus der Union kommt der Hinweis, man solle das Paket nicht aufschnüren, sondern jetzt entschlossen handeln. Der Rahmen ist bekannt: Bei der Rentenreform sind 30 von 33 Kommissionsvorschlägen unstrittig; der Beschluss im Bundestag wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2027 erfolgen. Drei strittige Punkte, darunter die Rente mit 63, reichen offenbar, um ein ganzes Gesetz aufzuhalten.
Was sonst noch Nachrichten machte
Der Krieg in der Ukraine lieferte am Mittag eine der wichtigen Meldungen: Aus der russisch besetzten Frontstadt Oleschky wurden Gerettete ausgeflogen. Aus der Luftfahrt kam eine traurige Nachricht: Nach einem Unfall in einem Luxushotel starb ein Lufthansa-Crewmitglied; den Berichten zufolge handelt es sich um einen Mann aus Deutschland. Wer im Westen unterwegs war, brauchte Geduld, denn ein defektes Stellwerk störte den Zugverkehr im Ruhrgebiet. Das Wetter in Deutschland blieb überwiegend trüb, was zum Reformationstag passte und den Halloween-Umzügen am Abend wenig half.
Im Fußball schrieb ein Berliner Klub Geschichte: Hertha BSC stellte mit einem klaren Sieg beim FCK den Zweitliga-Startrekord ein und marschiert Richtung Bundesliga. Für eine Stadt, die an diesem Samstag vor allem mit Demonstrationszügen beschäftigt war, dürfte das die willkommenere Nachricht gewesen sein.
Der Samstag, 31. Oktober 2026, war in Deutschland ein Tag mit drei Gesichtern. Während Millionen Menschen den Reformationstag begingen, verwandelten sich vielerorts Straßen, Geschäfte und Veranstaltungsorte in Halloween-Kulissen, und in Dutzenden Städten versuchte eine Jugendbewegung, den Funken der französischen Proteste nach Deutschland zu tragen. Der Reformationstag ist 2026 in neun Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, was dem Protesttag in Ostdeutschland und im Norden eine andere Kulisse gab als im Rheinland, wo die Innenstädte geöffnet waren und mancher Händler die Schaufenster verbarrikadiert hatte. Der Kanzler war aus Asien zurück, die Rentenreform wartete weiter, und am Abend stand fest: Die befürchteten Bilder aus Paris blieben aus, die erhofften Massen der Organisatoren allerdings auch.
Gen Z regelt: Ein Protesttag, der kleiner wurde, als die Zahlen versprachen
Die Erwartung war gewaltig, die Realität überschaubar. Nach Angaben von „Gen Z regelt“ hatten über 160.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt; zentral von der Gruppierung organisiert wurden die Demonstrationen in Berlin, Köln, Frankfurt und München. Die bundesweiten Jugendproteste starteten am Samstagnachmittag mit deutlich weniger Teilnehmern als von den Organisatoren erwartet. Die Polizei in Berlin meldete zunächst 2700 Teilnehmer, in München 1800 und in Frankfurt am Main rund 1000. Im Lauf des Nachmittags wuchs die Berliner Kundgebung: Die Polizei sprach um 16.06 Uhr von rund 5000 Teilnehmern vor dem Brandenburger Tor, die Initiative selbst von 10.000. Ein Transparent, das der ZDF-Ticker festhielt, fasste die Stimmung mancher Eltern ironisch zusammen: Eine Demonstrantin hielt ein Schild mit der Aufschrift „Die Kämpfe in Fortnite reichen meinem Sohn schon“ hoch.
Die Vorgeschichte erklärt, warum die Sicherheitsbehörden mit so viel Personal antraten. Seit Wochen wird in Frankreich protestiert, es kam wiederholt zu Gewaltexzessen. Ausschreitungen gab es dann auch bei Demonstrationen in anderen Ländern wie Spanien und Italien. Dabei wurden die Aktionen oft von unterschiedlichen politischen Gruppen ausgenutzt. Die Berliner Polizei hatte das Mobilisierungsmuster vorab beschrieben: Polizeisprecherin Anika Keller sagte, einzelne Gruppierungen aus dem linken politischen Spektrum griffen die Proteste in Frankreich auf und verbreiteten entsprechende Mobilisierungsaufrufe. In den sozialen Medien und in Chats beobachteten die Sicherheitsbehörden, dass die Schülerproteste in vielen Bereichen thematisiert wurden – insbesondere im linksextremistischen Spektrum werde für Samstag mobilisiert. Allein in Berlin waren 13 Demonstrations-Veranstaltungen, davon vier ausdrücklich zum Thema Halloween, angezeigt. In der Hauptstadt stellte sich die Polizei auf einen Großeinsatz mit rund 1500 Polizisten ein.
Bemerkenswert ist, wie die Bewegung schon vor dem Protesttag ihre institutionelle Rückendeckung verlor. Die Bundesschülerkonferenz, eine bundesweite Interessenvertretung der Landesschülervertretungen, hatte ihre anfängliche Unterstützung für die Proteste ausdrücklich zurückgezogen und als Gründe undurchsichtige Organisationsstrukturen und die Gefahr politischer Instrumentalisierung genannt. Aus der Schweiz kam der Hinweis, dass ein Ex-Organisator aus Sorge vor Gewalt ausstieg, weil die Gruppen unterschiedliche Ziele hätten. Das Bundesinnenministerium hatte derweil eine klare Linie für Anreisende gezogen: „Personen, die zur gewaltsamen Teilnahme an den Demonstrationen einreisen wollen, werden bereits an der Grenze von der Bundespolizei zurückgewiesen“, sagte der Ministeriumssprecher.
Köln bricht ab, Bremen überrascht, Düsseldorf ermittelt
Der härteste Einschnitt des Tages ereignete sich im Rheinland. In Köln sagte die Polizei den Demonstrationszug kurzfristig ab, nachdem sich Teilnehmer vermummt hatten und Pyrotechnik gezündet worden war. Damit traf genau das ein, was die Händler zwischen Rhein und Ruhr seit Tagen befürchtet hatten: Teilweise wurden Fenster mit Holzplatten gesichert, andere Geschäfte wollten am Samstag geschlossen bleiben. Bereits am Freitag, 30. Oktober, hatte es im Nachbarbezirk Festnahmen gegeben: Vier Männer wurden in Nordrhein-Westfalen vorläufig festgenommen. Sie sollen sich zu gewalttätigen Aktionen am Samstag in Düsseldorf verabredet haben. Der Staatsschutz ermittelt gegen Personen, die sich für Samstag zu gewalttätigen Aktionen gegen Menschen und Sachen in Düsseldorf verabredet haben sollen.
In Frankfurt verlief es ruhiger, aber nicht ohne Spannung. Die Polizei sammelte sich am Mittag mit einem größeren Aufgebot an der Weseler Werft im Frankfurter Ostend, wo ursprünglich zwei Demonstrationen starten wollten. Die Organisatoren von „Generation Aufbruch“ und „Gen Z regelt“ beschlossen jedoch spontan, in einem gemeinsamen Zug durch die Innenstadt zu laufen. Als Auflagen wurden unter anderem Verbote von Pyrotechnik sowie des Mitführens von Glasflaschen und Alkohol erlassen. Der Zug wuchs im Lauf des Nachmittags auf 2500 Menschen, wie die hessenschau unter Berufung auf die Polizei meldete.
Die eigentliche Überraschung des Tages lieferte Bremen, keine der vier zentral organisierten Städte. Um kurz nach 14 Uhr schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf rund 700 Menschen; die spätere Schätzung lag bei 2.800 Teilnehmern. Dort zeigte sich aber auch, wie dünn die Linie zwischen friedlichem Protest und Konfrontation ist: Auf dem Domshof wurde eine Person von der Polizei festgesetzt. Im Anschluss wurden die Polizisten von Demonstranten umringt. Ein Polizeisprecher gab an, dass auf der Demo auch polizeifeindliche Parolen gerufen wurden. Die Polizei kündigte in der Neustadt per Durchsage an, die Demonstranten zu filmen, weil die Teilnehmer aus ihrer Sicht gegen Auflagen verstießen. In Hamburg lief parallel ein Protest ganz anderer Prägung: Dort versammelten sich Demonstranten zur „Feministischen Halloween-Demo“, zu der das „Feministische Gruselkabinett“ aufrief; der private Anmelder erwartete 1.000 bis 2.000 Personen, wie der Sprecher der Polizei Hamburg auf Anfrage von Tichys Einblick mitteilte.
Unterm Strich bleibt ein Befund, der die Erwartungen beider Seiten korrigiert. Ein einheitlicher bundesweiter Krawallplan ist durch die ausgewerteten öffentlichen Quellen nicht belegt. Zugleich blieben die Teilnehmerzahlen in jeder Stadt weit unter den Online-Zusagen, was für eine Bewegung, die sich vor allem über Plattformen organisiert, die zentrale Lehre dieses Samstags sein dürfte: Ein Klick ist noch kein Demonstrant.
Linker Protest gegen linke Führung
Am Rand der Jugendproteste lief in Berlin eine Kundgebung, die ein innerparteiliches Problem auf die Straße trug. Der ZDF-Ticker meldete am Nachmittag linken Protest gegen die Linke-Führung. Den meisten Demonstranten ging es um Palästina-Solidarität. Mehrfach wurde „Free Palestine“ gerufen. Für eine Partei, die in der Hauptstadt gerade mit SPD und Grünen über eine Koalition verhandelt und deren Berliner Fraktion sich bereits vor zwei Wochen über den Nahostkurs zerstritten hatte, ist das mehr als eine Randnotiz: Die Bruchlinie verläuft nicht zwischen Linken und Bürgerlichen, sondern mitten durch das eigene Lager.
Der Kanzler ist zurück: Dreißig Vereinbarungen und eine offene Frage
Friedrich Merz landete nach fünf Tagen Singapur, Tokio und Seoul wieder in Deutschland, und die Bilanz seiner Reise wurde am 31. Oktober zum Gegenstand der ersten Auswertungen. Merz will Deutschland unabhängiger von China machen und hat aus Singapur, Japan und Südkorea rund dreißig Vereinbarungen mitgebracht. In Tokio haben Deutschland und Japan Erklärungen zur Wirtschaftssicherheit und zu kritischen Rohstoffen unterzeichnet. In Seoul vereinbarten Merz und Präsident Lee dann eine vertiefte strategische Partnerschaft. Die mitgereiste Wirtschaft zeigte sich laut Table.Briefings alles in allem sehr zufrieden und geradezu begeistert.
Das Regierungsfazit fiel erwartungsgemäß positiv aus: „Diese Region ist für uns von größter strategischer Bedeutung“, sagte Merz in Seoul. Mit Japan soll zum Beispiel die Rüstungskooperation ausgebaut werden. Außerdem haben beide Länder eine Erklärung zur Wirtschaftssicherheit unterzeichnet und wollen „kritische Abhängigkeiten“ reduzieren. Das Handelsblatt ordnete das Leitmotiv der Reise ein: Zum Abschluss hat Merz erneut für ein globales Netzwerk für einen auf internationalen Regeln basierenden freien Handel geworben. Bei der Eröffnung der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul sagte der CDU-Chef, dass die sich wandelnde geopolitische Lage gleichgesinnte Partner näher zusammenbringe. Das ZDF setzte den Ton der Konferenz in ein Bild: Siemens-Chef Roland Busch eröffnete sie mit den Worten, die alte Ordnung sei „zerbrochen, es müssten neue, auf Vertrauen basierende Verbindungen“ geknüpft werden. Das sei Merz nach vier Tagen Asien gelungen. Perspektivisch will er sich für ein Abkommen zwischen den Asean-Staaten und der EU einsetzen. Die offene Frage bleibt dieselbe wie bei jeder Handelsallianz, die ihre Adressaten nicht beim Namen nennt: Was passiert, wenn Washington und Peking das Netzwerk als gegen sich gerichtet lesen?
Rente: Die Baustelle, die der Kanzler zu Hause vorfindet
Zurück in Berlin erwartet Merz das Dossier, das die Koalition seit Wochen nicht schließt. Einen Gesetzentwurf aus dem Arbeitsministerium gibt es bislang nicht. Die Gewerkschaften haben ihre Position in der Zwischenzeit verschärft: Verdi-Chef Frank Werneke forderte am 26. Oktober von Arbeitsminister Alexander Schweitzer einen Gesetzentwurf zum Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Zudem verlangt er eine Stabilisierung des Rentenniveaus von 48 Prozent über 2031 hinaus. Schweitzer selbst hat Spielräume angedeutet: Er will die Empfehlungen der Rentenkommission nicht eins zu eins übernehmen, hat aber kein fertiges Modell vorgelegt. Aus der Union kommt der Hinweis, man solle das Paket nicht aufschnüren, sondern jetzt entschlossen handeln. Der Rahmen ist bekannt: Bei der Rentenreform sind 30 von 33 Kommissionsvorschlägen unstrittig; der Beschluss im Bundestag wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2027 erfolgen. Drei strittige Punkte, darunter die Rente mit 63, reichen offenbar, um ein ganzes Gesetz aufzuhalten.
Was sonst noch Nachrichten machte
Der Krieg in der Ukraine lieferte am Mittag eine der wichtigen Meldungen: Aus der russisch besetzten Frontstadt Oleschky wurden Gerettete ausgeflogen. Aus der Luftfahrt kam eine traurige Nachricht: Nach einem Unfall in einem Luxushotel starb ein Lufthansa-Crewmitglied; den Berichten zufolge handelt es sich um einen Mann aus Deutschland. Wer im Westen unterwegs war, brauchte Geduld, denn ein defektes Stellwerk störte den Zugverkehr im Ruhrgebiet. Das Wetter in Deutschland blieb überwiegend trüb, was zum Reformationstag passte und den Halloween-Umzügen am Abend wenig half.
Im Fußball schrieb ein Berliner Klub Geschichte: Hertha BSC stellte mit einem klaren Sieg beim FCK den Zweitliga-Startrekord ein und marschiert Richtung Bundesliga. Für eine Stadt, die an diesem Samstag vor allem mit Demonstrationszügen beschäftigt war, dürfte das die willkommenere Nachricht gewesen sein.
Sources