Der Sonntag, 1. November 2026, ist in fünf Bundesländern ein stiller Feiertag: Allerheiligen ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Still ist es auch im Kanzleramt, denn der Terminkalender des Kanzlers verzeichnet für Sonntag, den 1. November, keine öffentlichen Termine. Laut ist dagegen das Echo der Nacht zuvor. Was am Samstagnachmittag als Jugendprotest begonnen hatte, endete in Frankfurt mit Plünderungen, einem Spezialeinsatzkommando vor einem Waffengeschäft und einer Verletztenbilanz, die am Sonntag die Innenminister von Hessen, Bayern und des Bundes auf den Plan rief. Dazwischen liegen ein Nachruf auf eine Filmproduzentin, eine Warnung des Bundespräsidenten zu China und eine Rentenreform, die auch am ersten Novembertag ohne Gesetzentwurf bleibt.
Frankfurt: Eine Nacht, die den Sonntag bestimmt
Die Zahlen, die Polizei und Innenministerium am Sonntag vorlegten, sind ungewöhnlich für eine deutsche Großstadt. 54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten, fünf geplünderte Geschäfte: Nach den schweren Ausschreitungen in Frankfurt haben Polizei und Innenministerium am Sonntag eine erste Bilanz gezogen. Demnach wurden 87 Strafanzeigen aufgenommen, 1.225 Platzverweise ausgesprochen und 366 Personen kontrolliert. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte wurden angegriffen. Insgesamt wurden 17 Geschäfte beschädigt, fünf geplündert, hieß es. Zeitweise waren bis zu 1300 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Ein Beamter erlitt schwere Verletzungen: Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) verlor er Zähne durch einen Steinwurf ins Gesicht.
Der Ablauf des Abends erklärt, warum die Bilanz so hoch ausfällt. In Frankfurt ist es nach der Auflösung des größtenteils friedlichen Gen-Z-Protests zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei riegelte den Bereich rund um die Zeil ab. Es gab 30 Festnahmen, Scheiben wurden eingeschlagen und geplündert. Rund um die Konstablerwache spielten sich tumultartige Szenen ab. Besonders brisant war der Angriff auf ein Waffengeschäft in der Berliner Straße. Nach der Attacke auf ein Waffengeschäft in der Berliner Straße war inzwischen auch das SEK vor Ort. Wie ein Polizeisprecher sagte, wurden zwei Randalierer festgenommen, dabei stellte die Polizei auch zwei Waffen sicher. Ob diese aus dem Laden stammen, ist noch unsicher. Um was für Waffen es sich handelte, ist unklar. Anschließend sicherte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei den Laden.
Bemerkenswert ist, was die Ermittler über die Täter sagen: Die hessenschau fasst die Erkenntnisse unter der Überschrift „Junge Männer ohne erkennbares politisches Motiv“ zusammen. Das unterscheidet die Frankfurter Nacht von klassischen Krawallen der autonomen Szene und erinnert eher an die Bilder aus Frankreich im Oktober. Poseck bezeichnete die Ausschreitungen als „entsetzlichen Gewaltexzess“. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erklärte laut Berliner Zeitung: „Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden“. Auch der Bund schaltete sich ein: Bundesinnenminister Dobrindt verurteilt die Gewalt und kündigt Konsequenzen an. Die Organisatoren selbst gingen auf Distanz: Die Initiative habe „alles gegeben, um diese Bilder zu vermeiden“.
Berlin, Hamburg, Köln: Wer die Züge kaperte
Frankfurt war der Höhepunkt, aber nicht der einzige Schauplatz. Besonders angespannt war die Lage in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin. Schaufenster gingen zu Bruch, brennende Barrikaden blockierten Straßen, und die Polizei setzte Wasserwerfer gegen Menschenmengen ein. In der Hauptstadt zeigte sich ein Muster, das Beobachter schon bei früheren Jugendprotesten kannten: In Berlin begann eine Jugenddemonstration mit nach Polizeiangaben rund 3.500 Teilnehmern am Rosenthaler Platz und zog Richtung Prenzlauer Berg. Propalästinensische und antifaschistische Demonstranten schlossen sich dem Marsch an, einige skandierten antikapitalistische, antiisraelische und antideutsche Parolen, während Bengalos und Böller gezündet wurden. Euronews brachte es in seiner Morgenausgabe auf die Formel: Propalästinensische und linksradikale Gruppen kapern Schülerprotest in Prenzlauer Berg in Berlin. Die vorläufige Bilanz der Polizei: 56 vorübergehende Festnahmen, 27 leicht verletzte Polizeibeamte, bis zu 3.500 Demonstrierende, rund 1.500 zusätzliche Polizeikräfte stadtweit im Einsatz. Nachdem Steine auf Polizeikräfte geworfen und Pyrotechnik gezündet worden waren, wurde die Demonstration vorzeitig beendet.
In Hamburg beschrieb ein Polizeisprecher dasselbe Phänomen aus Sicht der Einsatzkräfte: „Leider haben sich heute Störer unter die friedlichen Demonstranten gemischt, um gezielt zu provozieren und Straftaten zu begehen“. Die Gewerkschaft der Polizei zog am Sonntag eine Bilanz, die beiden Seiten Rechnung trägt. Andreas Rosskopf, Vorsitzender des Bereichs Bundespolizei, bezeichnete die eigentlichen Gen-Z-Proteste als weitgehend friedlich. Für die späteren Ausschreitungen seien vor allem autonome und teilweise vermummte Personen verantwortlich gewesen. Die Polizei habe konsequent eingegriffen, unter anderem mit Wasserwerfern und Pfefferspray. Massive Sachbeschädigungen seien bislang ausgeblieben. Diese Einschätzung stammt freilich vom Vormittag; die Frankfurter Zahlen mit 17 beschädigten und fünf geplünderten Läden relativieren sie.
Die Zahlen der Veranstalter und der Blick nach vorn
Über die Größe der Bewegung gehen die Angaben weit auseinander. An Halloween haben laut der Initiative „Gen Z regelt“ bundesweit rund 120.000 Menschen friedlich bei den Schüler- und Jugendprotesten demonstriert. Der Schweizer Blick nennt eine andere Zahl aus derselben Quelle: Unter dem Motto «Gen Z regelt» demonstrierten laut Initiative über 100'000 Menschen in Deutschland. Eine polizeiliche Gesamtzahl für das Bundesgebiet liegt nicht vor; die bekannten Einzelwerte wie 3.500 in Berlin legen nahe, dass die Veranstalterangaben großzügig gerechnet sind. Inhaltlich bleibt das Programm überschaubar: Die Initiative fordert mehr Investitionen in Bildung, bezahlbare Lebenshaltungskosten und konsequenten Klimaschutz. Die Nachtbilder dürften diese Botschaft überlagern, zumal der europäische Kontext mitschwingt: Die Unruhen erinnerten an Szenen in ganz Frankreich im vergangenen Monat. Und während die Proteste in Deutschland am späten Abend weitgehend abklangen, blieb die Lage in Frankreich angespannt.
Dass es nicht bei einem Termin bleibt, machte Bayerns Innenminister deutlich: Für die in drei Wochen angekündigten erneuten Demonstrationen kündigte Herrmann an, dass die Polizei auch dann präsent sein werde. Für den Freistaat fiel seine Bilanz gelassen aus. Die Bayerische Polizei habe mit ihrer Einsatztaktik gewaltsame Ausschreitungen schon im Ansatz unterbunden. Auch für das Geschehen in der Halloween-Nacht zog Herrmann eine insgesamt vergleichsweise ruhige Bilanz. Die Bayerische Polizei war bayernweit im Zusammenhang mit Halloween rund 1.300 Mal im Einsatz, bei 550 dieser Einsätze war Ruhestörung der Anlass. Der Innenminister zog zugleich eine Grenze, die über den Tag hinausweist: „für diesen Hass, für diese aggressive Wut auf die Polizei und alles, was den Staat repräsentiert, darf uns nicht kalt lassen.“
Nadeln im Schokoriegel
Ein zweiter Halloween-Nachhall ist leiser, aber für Eltern beunruhigender. In Franken meldet die Polizei: Nürnberg: Kinder finden Schokoriegel mit Metallnadeln in Halloween-Süßigkeiten. Das ZDF führt den Fall unter dem Stichwort „Versuchte Körperverletzung: Halloween-Süßigkeiten präpariert“ und ergänzt, dass auch in weiteren Fällen ermittelt wird. Die Geschichte von der vergifteten oder gespickten Süßigkeit gehört seit Jahrzehnten zu den Halloween-Legenden, die sich selten bestätigen; dass die Polizei in Nürnberg tatsächlich Metallnadeln vorfand, hebt den Fall aus dem Bereich des Gerüchts heraus.
Berlin: Warnungen, Wartezeit und ein Kanzler ohne Termine
Während die Innenminister Bilanz zogen, meldete sich aus der Union eine Stimme, die lange geschwiegen hatte. Das ZDF vermeldet am Vormittag: Annegret Kramp-Karrenbauer: Warnung vor AfD und Linken. Die frühere CDU-Vorsitzende greift damit eine Debatte auf, die ihre Partei seit dem CSU-Parteitag und der Berliner Regierungsbildung umtreibt: die Frage, ob die Abgrenzung nach beiden Seiten gleich streng gelten soll. Der Bundespräsident wiederum lieferte eine außenpolitische Ernüchterung. Unter der Schlagzeile „Bundespräsident Steinmeier: China will keinen Ukraine-Gipfel“ berichtet das ZDF von einer Einschätzung, die Hoffnungen auf eine Vermittlerrolle Pekings dämpft.
Der Kanzler selbst war nach seiner Asienreise öffentlich nicht zu sehen; keine öffentlichen Termine, vermerkt sein Kalender. In Seoul wirkt sein Auftritt noch nach: Beim 19. Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul schlug Merz eine politische Allianz vor, die globale Handelsregeln aufrechterhalten, die Welthandelsorganisation stärken und Reaktionen auf Verstöße koordinieren soll. Er forderte die Länder auf, Handelsbeziehungen zu vertiefen, Lieferketten zu diversifizieren und dem Einsatz wirtschaftlicher Abhängigkeit als politisches Druckmittel zu widerstehen; Deutschland und Südkorea könnten beim Aufbau eines Netzwerks verlässlicher Partner eine führende Rolle spielen.
Innenpolitisch bleibt die Rente die Baustelle, die der Kanzler zu Hause vorfindet. Union und SPD streiten weiter über die Rentenreform – ein verbindlicher Termin für den gemeinsamen Gesetzentwurf fehlt. Bundeskanzler Friedrich Merz will den Entwurf bis Ende 2026 im Kabinett beschließen lassen; der Bundestag soll im ersten Quartal 2027 entscheiden. Besonders umkämpft bleibt die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren. Der neue Arbeitsminister hat die Reihenfolge festgelegt: Der neu ernannte Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) macht die Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Rentenreform von einer vorherigen Verständigung innerhalb der Regierungskoalition abhängig. Dabei ist der Dissens kleiner, als der Lärm vermuten lässt: Bei der Rentenreform sind 30 von 33 Kommissionsvorschlägen unstrittig; der Beschluss im Bundestag wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2027 erfolgen. Mit dem November beginnt also der Monat, in dem sich entscheidet, ob der Kabinettstermin vor Weihnachten noch zu halten ist.
Abschied von einer Produzentin, Unruhe am Golf
Am Nachmittag kam eine Nachricht aus der Kulturwelt: Die preisgekrönte Film- und Fernsehproduzentin Regina Ziegler ist mit 82 Jahren gestorben. Ziegler hatte 1973 als eine der ersten Frauen in Deutschland eine eigene Produktionsfirma gegründet und über fünf Jahrzehnte das Fernsehen und Kino des Landes geprägt. Aus dem Ausland erreichten Berlin am Sonntag zudem Meldungen, die die Energiemärkte der kommenden Woche beschäftigen könnten: Persischer Golf: Katarischer LNG-Tanker angegriffen, wobei das Schiff nach ersten Angaben einsatzfähig blieb. In Warschau stützen laut ZDF Ex-Gerichtschefs im Machtkampf Regierungschef Tusk, und nach dem Krypto-Rekordraub zahlt Binance wieder aus.
So endet ein Allerheiligen, an dem in Frankfurt Glaser und Reinigungstrupps die Zeil wieder begehbar machten, während die Politik über Konsequenzen sprach und die nächste Protestrunde bereits einen Termin hat. Ob die Bewegung, die sich „Gen Z regelt“ nennt, in drei Wochen noch über ihre Forderungen spricht oder nur noch über ihre Mitläufer, wird sich dann zeigen.
Der Sonntag, 1. November 2026, ist in fünf Bundesländern ein stiller Feiertag: Allerheiligen ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Still ist es auch im Kanzleramt, denn der Terminkalender des Kanzlers verzeichnet für Sonntag, den 1. November, keine öffentlichen Termine. Laut ist dagegen das Echo der Nacht zuvor. Was am Samstagnachmittag als Jugendprotest begonnen hatte, endete in Frankfurt mit Plünderungen, einem Spezialeinsatzkommando vor einem Waffengeschäft und einer Verletztenbilanz, die am Sonntag die Innenminister von Hessen, Bayern und des Bundes auf den Plan rief. Dazwischen liegen ein Nachruf auf eine Filmproduzentin, eine Warnung des Bundespräsidenten zu China und eine Rentenreform, die auch am ersten Novembertag ohne Gesetzentwurf bleibt.
Frankfurt: Eine Nacht, die den Sonntag bestimmt
Die Zahlen, die Polizei und Innenministerium am Sonntag vorlegten, sind ungewöhnlich für eine deutsche Großstadt. 54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten, fünf geplünderte Geschäfte: Nach den schweren Ausschreitungen in Frankfurt haben Polizei und Innenministerium am Sonntag eine erste Bilanz gezogen. Demnach wurden 87 Strafanzeigen aufgenommen, 1.225 Platzverweise ausgesprochen und 366 Personen kontrolliert. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte wurden angegriffen. Insgesamt wurden 17 Geschäfte beschädigt, fünf geplündert, hieß es. Zeitweise waren bis zu 1300 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Ein Beamter erlitt schwere Verletzungen: Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) verlor er Zähne durch einen Steinwurf ins Gesicht.
Der Ablauf des Abends erklärt, warum die Bilanz so hoch ausfällt. In Frankfurt ist es nach der Auflösung des größtenteils friedlichen Gen-Z-Protests zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei riegelte den Bereich rund um die Zeil ab. Es gab 30 Festnahmen, Scheiben wurden eingeschlagen und geplündert. Rund um die Konstablerwache spielten sich tumultartige Szenen ab. Besonders brisant war der Angriff auf ein Waffengeschäft in der Berliner Straße. Nach der Attacke auf ein Waffengeschäft in der Berliner Straße war inzwischen auch das SEK vor Ort. Wie ein Polizeisprecher sagte, wurden zwei Randalierer festgenommen, dabei stellte die Polizei auch zwei Waffen sicher. Ob diese aus dem Laden stammen, ist noch unsicher. Um was für Waffen es sich handelte, ist unklar. Anschließend sicherte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei den Laden.
Bemerkenswert ist, was die Ermittler über die Täter sagen: Die hessenschau fasst die Erkenntnisse unter der Überschrift „Junge Männer ohne erkennbares politisches Motiv“ zusammen. Das unterscheidet die Frankfurter Nacht von klassischen Krawallen der autonomen Szene und erinnert eher an die Bilder aus Frankreich im Oktober. Poseck bezeichnete die Ausschreitungen als „entsetzlichen Gewaltexzess“. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erklärte laut Berliner Zeitung: „Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden“. Auch der Bund schaltete sich ein: Bundesinnenminister Dobrindt verurteilt die Gewalt und kündigt Konsequenzen an. Die Organisatoren selbst gingen auf Distanz: Die Initiative habe „alles gegeben, um diese Bilder zu vermeiden“.
Berlin, Hamburg, Köln: Wer die Züge kaperte
Frankfurt war der Höhepunkt, aber nicht der einzige Schauplatz. Besonders angespannt war die Lage in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin. Schaufenster gingen zu Bruch, brennende Barrikaden blockierten Straßen, und die Polizei setzte Wasserwerfer gegen Menschenmengen ein. In der Hauptstadt zeigte sich ein Muster, das Beobachter schon bei früheren Jugendprotesten kannten: In Berlin begann eine Jugenddemonstration mit nach Polizeiangaben rund 3.500 Teilnehmern am Rosenthaler Platz und zog Richtung Prenzlauer Berg. Propalästinensische und antifaschistische Demonstranten schlossen sich dem Marsch an, einige skandierten antikapitalistische, antiisraelische und antideutsche Parolen, während Bengalos und Böller gezündet wurden. Euronews brachte es in seiner Morgenausgabe auf die Formel: Propalästinensische und linksradikale Gruppen kapern Schülerprotest in Prenzlauer Berg in Berlin. Die vorläufige Bilanz der Polizei: 56 vorübergehende Festnahmen, 27 leicht verletzte Polizeibeamte, bis zu 3.500 Demonstrierende, rund 1.500 zusätzliche Polizeikräfte stadtweit im Einsatz. Nachdem Steine auf Polizeikräfte geworfen und Pyrotechnik gezündet worden waren, wurde die Demonstration vorzeitig beendet.
In Hamburg beschrieb ein Polizeisprecher dasselbe Phänomen aus Sicht der Einsatzkräfte: „Leider haben sich heute Störer unter die friedlichen Demonstranten gemischt, um gezielt zu provozieren und Straftaten zu begehen“. Die Gewerkschaft der Polizei zog am Sonntag eine Bilanz, die beiden Seiten Rechnung trägt. Andreas Rosskopf, Vorsitzender des Bereichs Bundespolizei, bezeichnete die eigentlichen Gen-Z-Proteste als weitgehend friedlich. Für die späteren Ausschreitungen seien vor allem autonome und teilweise vermummte Personen verantwortlich gewesen. Die Polizei habe konsequent eingegriffen, unter anderem mit Wasserwerfern und Pfefferspray. Massive Sachbeschädigungen seien bislang ausgeblieben. Diese Einschätzung stammt freilich vom Vormittag; die Frankfurter Zahlen mit 17 beschädigten und fünf geplünderten Läden relativieren sie.
Die Zahlen der Veranstalter und der Blick nach vorn
Über die Größe der Bewegung gehen die Angaben weit auseinander. An Halloween haben laut der Initiative „Gen Z regelt“ bundesweit rund 120.000 Menschen friedlich bei den Schüler- und Jugendprotesten demonstriert. Der Schweizer Blick nennt eine andere Zahl aus derselben Quelle: Unter dem Motto «Gen Z regelt» demonstrierten laut Initiative über 100'000 Menschen in Deutschland. Eine polizeiliche Gesamtzahl für das Bundesgebiet liegt nicht vor; die bekannten Einzelwerte wie 3.500 in Berlin legen nahe, dass die Veranstalterangaben großzügig gerechnet sind. Inhaltlich bleibt das Programm überschaubar: Die Initiative fordert mehr Investitionen in Bildung, bezahlbare Lebenshaltungskosten und konsequenten Klimaschutz. Die Nachtbilder dürften diese Botschaft überlagern, zumal der europäische Kontext mitschwingt: Die Unruhen erinnerten an Szenen in ganz Frankreich im vergangenen Monat. Und während die Proteste in Deutschland am späten Abend weitgehend abklangen, blieb die Lage in Frankreich angespannt.
Dass es nicht bei einem Termin bleibt, machte Bayerns Innenminister deutlich: Für die in drei Wochen angekündigten erneuten Demonstrationen kündigte Herrmann an, dass die Polizei auch dann präsent sein werde. Für den Freistaat fiel seine Bilanz gelassen aus. Die Bayerische Polizei habe mit ihrer Einsatztaktik gewaltsame Ausschreitungen schon im Ansatz unterbunden. Auch für das Geschehen in der Halloween-Nacht zog Herrmann eine insgesamt vergleichsweise ruhige Bilanz. Die Bayerische Polizei war bayernweit im Zusammenhang mit Halloween rund 1.300 Mal im Einsatz, bei 550 dieser Einsätze war Ruhestörung der Anlass. Der Innenminister zog zugleich eine Grenze, die über den Tag hinausweist: „für diesen Hass, für diese aggressive Wut auf die Polizei und alles, was den Staat repräsentiert, darf uns nicht kalt lassen.“
Nadeln im Schokoriegel
Ein zweiter Halloween-Nachhall ist leiser, aber für Eltern beunruhigender. In Franken meldet die Polizei: Nürnberg: Kinder finden Schokoriegel mit Metallnadeln in Halloween-Süßigkeiten. Das ZDF führt den Fall unter dem Stichwort „Versuchte Körperverletzung: Halloween-Süßigkeiten präpariert“ und ergänzt, dass auch in weiteren Fällen ermittelt wird. Die Geschichte von der vergifteten oder gespickten Süßigkeit gehört seit Jahrzehnten zu den Halloween-Legenden, die sich selten bestätigen; dass die Polizei in Nürnberg tatsächlich Metallnadeln vorfand, hebt den Fall aus dem Bereich des Gerüchts heraus.
Berlin: Warnungen, Wartezeit und ein Kanzler ohne Termine
Während die Innenminister Bilanz zogen, meldete sich aus der Union eine Stimme, die lange geschwiegen hatte. Das ZDF vermeldet am Vormittag: Annegret Kramp-Karrenbauer: Warnung vor AfD und Linken. Die frühere CDU-Vorsitzende greift damit eine Debatte auf, die ihre Partei seit dem CSU-Parteitag und der Berliner Regierungsbildung umtreibt: die Frage, ob die Abgrenzung nach beiden Seiten gleich streng gelten soll. Der Bundespräsident wiederum lieferte eine außenpolitische Ernüchterung. Unter der Schlagzeile „Bundespräsident Steinmeier: China will keinen Ukraine-Gipfel“ berichtet das ZDF von einer Einschätzung, die Hoffnungen auf eine Vermittlerrolle Pekings dämpft.
Der Kanzler selbst war nach seiner Asienreise öffentlich nicht zu sehen; keine öffentlichen Termine, vermerkt sein Kalender. In Seoul wirkt sein Auftritt noch nach: Beim 19. Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul schlug Merz eine politische Allianz vor, die globale Handelsregeln aufrechterhalten, die Welthandelsorganisation stärken und Reaktionen auf Verstöße koordinieren soll. Er forderte die Länder auf, Handelsbeziehungen zu vertiefen, Lieferketten zu diversifizieren und dem Einsatz wirtschaftlicher Abhängigkeit als politisches Druckmittel zu widerstehen; Deutschland und Südkorea könnten beim Aufbau eines Netzwerks verlässlicher Partner eine führende Rolle spielen.
Innenpolitisch bleibt die Rente die Baustelle, die der Kanzler zu Hause vorfindet. Union und SPD streiten weiter über die Rentenreform – ein verbindlicher Termin für den gemeinsamen Gesetzentwurf fehlt. Bundeskanzler Friedrich Merz will den Entwurf bis Ende 2026 im Kabinett beschließen lassen; der Bundestag soll im ersten Quartal 2027 entscheiden. Besonders umkämpft bleibt die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren. Der neue Arbeitsminister hat die Reihenfolge festgelegt: Der neu ernannte Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) macht die Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Rentenreform von einer vorherigen Verständigung innerhalb der Regierungskoalition abhängig. Dabei ist der Dissens kleiner, als der Lärm vermuten lässt: Bei der Rentenreform sind 30 von 33 Kommissionsvorschlägen unstrittig; der Beschluss im Bundestag wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2027 erfolgen. Mit dem November beginnt also der Monat, in dem sich entscheidet, ob der Kabinettstermin vor Weihnachten noch zu halten ist.
Abschied von einer Produzentin, Unruhe am Golf
Am Nachmittag kam eine Nachricht aus der Kulturwelt: Die preisgekrönte Film- und Fernsehproduzentin Regina Ziegler ist mit 82 Jahren gestorben. Ziegler hatte 1973 als eine der ersten Frauen in Deutschland eine eigene Produktionsfirma gegründet und über fünf Jahrzehnte das Fernsehen und Kino des Landes geprägt. Aus dem Ausland erreichten Berlin am Sonntag zudem Meldungen, die die Energiemärkte der kommenden Woche beschäftigen könnten: Persischer Golf: Katarischer LNG-Tanker angegriffen, wobei das Schiff nach ersten Angaben einsatzfähig blieb. In Warschau stützen laut ZDF Ex-Gerichtschefs im Machtkampf Regierungschef Tusk, und nach dem Krypto-Rekordraub zahlt Binance wieder aus.
So endet ein Allerheiligen, an dem in Frankfurt Glaser und Reinigungstrupps die Zeil wieder begehbar machten, während die Politik über Konsequenzen sprach und die nächste Protestrunde bereits einen Termin hat. Ob die Bewegung, die sich „Gen Z regelt“ nennt, in drei Wochen noch über ihre Forderungen spricht oder nur noch über ihre Mitläufer, wird sich dann zeigen.
Sources